Fisetin als senotherapeutisches Mittel: und die Beseitigung seneszenter Zellen
Fisetin ist ein natürlich vorkommendes Flavonoid, das unter anderem in Erdbeeren, Äpfeln und verschiedenen anderen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt. In den vergangenen Jahren ist Fisetin jedoch aus einem ganz anderen Grund in den Fokus der Altersforschung gerückt: Es wird als möglicher senotherapeutischer beziehungsweise senolytischer Wirkstoff untersucht. Das bedeutet vereinfacht: Fisetin könnte dabei helfen, bestimmte seneszente – also biologisch gealterte und funktionsgestörte – Zellen zu beseitigen oder deren schädliche Auswirkungen zu reduzieren. Eine 2024 in Mechanisms of Ageing and Development veröffentlichte Übersichtsarbeit fasst den aktuellen Forschungsstand zu Fisetin und seneszenten Zellen zusammen. Die Autoren betrachten dafür Zell- und Tierexperimente sowie bereits laufende bzw. durchgeführte frühe klinische Studien am Menschen. Unsere Körperzellen können sich nicht unbegrenzt teilen. Durch Alterung, DNA-Schäden, oxidativen Stress und andere Belastungen können manche Zellen in einen Zustand geraten, der zelluläre Seneszenz genannt wird. Eine seneszente Zelle teilt sich nicht mehr – sie stirbt aber auch nicht unbedingt ab. Das ist zunächst nicht grundsätzlich schlecht. Zelluläre Seneszenz besitzt wichtige biologische Funktionen. Problematisch kann es werden, wenn sich mit zunehmendem Alter und bei Erkrankungen zu viele seneszente Zellen im Körper ansammeln. Genau diese Anhäufung steht im Mittelpunkt der modernen Seneszenzforschung. Seneszente Zellen sitzen nicht einfach nur untätig im Gewebe. Viele von ihnen geben eine Mischung verschiedener entzündungsfördernder Botenstoffe, Zytokine, Chemokine und weiterer Moleküle an ihre Umgebung ab. Dieses Phänomen wird als: SASP – Senescence-Associated Secretory Phenotype bezeichnet. Vereinfacht kann man sich das so vorstellen: Zellschäden / Alterung → seneszente Zelle → SASP → Entzündungssignale → Belastung des umliegenden Gewebes Die Autoren der Übersichtsarbeit heben insbesondere die Verbindung zwischen seneszenten Zellen, chronischer systemischer Entzündung und verschiedenen altersbedingten chronischen Erkrankungen hervor. Hier kommen sogenannte Senotherapeutika ins Spiel. Ein besonders interessanter Ansatz sind Senolytika. Sie sollen bevorzugt seneszente Zellen angreifen und deren programmierten Zelltod fördern. Das Forschungsziel ist also nicht, sämtliche seneszenten Zellen aus dem Körper zu entfernen. Vielmehr wird untersucht, ob sich eine krankhafte Ansammlung bestimmter seneszenter Zellen reduzieren lässt. Fisetin gehört zu den natürlichen Substanzen, die für diese mögliche senolytische Wirkung besonders intensiv untersucht werden. Seneszente Zellen besitzen verschiedene Mechanismen, mit denen sie trotz ihrer Schäden weiter überleben können. Genau diese Überlebensmechanismen sind ein möglicher Angriffspunkt von Senolytika. Für Fisetin werden unter anderem Einflüsse auf Signalwege diskutiert, die mit Zellüberleben, Entzündung und Apoptose zusammenhängen. Dazu zählen beispielsweise PI3K/AKT, NF-κB, BCL-2-Familienproteine und weitere Signalwege. Die Grundidee lässt sich stark vereinfacht so darstellen: Fisetin → beeinflusst Überlebensmechanismen seneszenter Zellen → seneszente Zellen werden anfälliger für Apoptose → geringere Belastung durch seneszente Zellen und SASP Dabei ist wichtig: Die genauen Mechanismen sind komplex und noch nicht abschließend geklärt. Seneszente Zellen werden inzwischen mit zahlreichen altersassoziierten Veränderungen und Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die Review untersucht deshalb Fisetin im Zusammenhang mit verschiedenen Bereichen wie Alterung, chronischer Entzündung, Stoffwechselerkrankungen und Multimorbidität. Die Hoffnung hinter Senolytika ist besonders interessant: Man versucht nicht nur, ein einzelnes Symptom einer bestimmten Krankheit zu beeinflussen, sondern einen grundlegenden biologischen Prozess des Alterns – die Ansammlung seneszenter Zellen. Die Autoren sehen das gezielte Vorgehen gegen seneszente Zellen deshalb als vielversprechende Forschungsstrategie insbesondere für ältere Menschen mit mehreren gleichzeitig bestehenden chronischen Erkrankungen. Die bisherige Forschung umfasst Zellversuche, Tiermodelle und erste klinische Phase-I/II-Studien in unterschiedlichen Patientengruppen. Die Autoren bewerten die bisherigen Ergebnisse als vielversprechend, weisen aber gleichzeitig auf erhebliche Wissenslücken hin. Insbesondere müssen beim Menschen noch wichtige Fragen geklärt werden: Welche Dosis ist optimal? Wie gut wird Fisetin aufgenommen? Wie häufig müsste es gegeben werden? Welche seneszenten Zellen werden tatsächlich erreicht? Wie lässt sich eine Wirkung zuverlässig messen? Und wie sicher ist eine solche Behandlung langfristig? Die Autoren betonen ausdrücklich, dass weitere Forschung zu Sicherheit, Pharmakokinetik, Dosierung und tatsächlicher klinischer Wirksamkeit notwendig ist. Fisetin ist ein natürliches Flavonoid und einer der interessantesten pflanzlichen Kandidaten in der Senolytika-Forschung. Im Mittelpunkt steht dabei eine faszinierende Idee: Alterung / Zellschäden → Ansammlung seneszenter Zellen → SASP → chronische Entzündung und Gewebebelastung und möglicherweise: Fisetin → Angriff auf bestimmte seneszente Zellen → Senolyse / Apoptose → weniger seneszente Zelllast → möglicherweise weniger SASP und entzündliche Belastung Damit richtet sich die Forschung nicht einfach gegen einzelne Symptome des Alterns, sondern gegen einen zellulären Mechanismus, der mit Alterung und zahlreichen chronischen Erkrankungen verbunden ist. Die entscheidende Einschränkung: Fisetin ist deshalb noch keine wissenschaftlich bewiesene Anti-Aging-Therapie für Menschen. Die präklinischen Ergebnisse und frühen Humanstudien machen den Stoff interessant, reichen aber noch nicht aus, um eine verlässliche therapeutische Wirkung oder optimale Einnahme beim Menschen festzustellen. Fisetin · Seneszente Zellen · Zelluläre Seneszenz · Senolytika · Senotherapeutika · Senolyse · SASP · Apoptose · Inflammaging · chronische Entzündung · Healthy Aging · Altersforschung · Flavonoide · PI3K/AKT · NF-κB · altersbedingte Erkrankungen Studie: Tavenier J. et al. Fisetin as a senotherapeutic agent: Evidence and perspectives for age-related diseases.Mechanisms of Ageing and Development. 2024;222:111995. DOI: 10.1016/j.mad.2024.111995. PMID: 39384074.Fisetin gegen seneszente Zellen – ein spannender Ansatz der Altersforschung
Was sind seneszente Zellen?
Warum können diese Zellen problematisch werden?
Die Idee: problematische seneszente Zellen gezielt entfernen
Was macht Fisetin möglicherweise mit seneszenten Zellen?
Warum könnte das für das Altern interessant sein?
Fisetin ist besonders interessant, aber noch kein bewiesenes „Anti-Aging-Mittel“
Das Wichtigste einfach zusammengefasst
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